Monotone Monologe

Dies ist die Zeit, in der der Karren im Dreck feststeckt. Im Januar gab es nicht mehr Glück als im Dezember. Nur mit Mühe fange ich meine eigene Laune immer wieder auf. Jeden Tag zum wiederholten Male. „Tu dir was Gutes, trink einen Tee, das wärmt, auf Tiefs folgen auch wieder Hochs, blablabla“ führe ich monotone Monologe. Dazwischen lache ich mit anderen. Auch Herzensdialoge,  die mir das Wichtigste sind, gelingen nicht so richtig.

Anderen geht es ähnlich, das Wetter zerrt an den Nerven, das Windiggrauenass mit nackten Ästen auf schmutzigbraunen Restwiesen trübt die eigene Sicht. Man soll im Moment leben, achtsam sein, Dinge finden, für die man dankbar ist, man soll sich nicht an negative Gedanken klammern, aber diese spirituellen Hilfen helfen nur kurz, wenn sich alles falsch anfühlt und alles feststeckt. Wenn man nichts tun kann, soll man alles Krampfhaft-Wollende loslassen, aber kann ich wirklich nichts tun?

Und der Teppich, unter den alles stillschweigend gekehrt wird, wird immer größer. Irgendwann klopfe ich ihn kräftig aus, setze ich mich darauf und fliege davon. Aber jetzt noch nicht. Wann ist endlich die richtige Zeit?

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Alte Werte vs. neue Werte

Alte Werte vs. neue Werte:

Rücksicht – Zur Schau stellen

Zurückhaltung – Coolness, Provokation

Kennenlernen –  Anmache

Begehren – Dauergeilheit

Warmherzigkeit – Coolness

Privatleben – Klicks

Respekt – Egozentrik

Liege ich komplett falsch? Oder hätte jemand vielleicht noch Ergänzungen?

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Excellent!

Hut ab (!), frisch gewaschene Haare mitgebracht – und los geht’s… in der Schönheitsblase!

Damit man das Hamsterrad nicht verlassen muss, geht man sich mal eben für 10 Minuten verschönern. Donnerwetter! Hauptsache, die Frisur hält hinterher!

Danach trinkt man – vite vite – noch einen Coffee to go.

Liebe Franzosen, das nenne ich echte Lebensart!? Ich stelle mir da gerade eine Catherine Deneuve oder einen Gérard Depardieu in der Beauty Bubble am Bahnhof vor…

P.S. Ich trinke meinen Kaffee gerne im Sitzen und genieße es, wenn mir die Haare geschnitten werden bzw. beim Friseur zu sein, wo ich mich wohlfühle. Das darf auch gerne länger als 10 Minuten dauern.

Suppenküche interviewt die Zeit

S: „Lieber Herr Tempus, herzlich willkommen in meiner Suppenküche! Schön, dass Sie heute die  – ääääh –  Zeit für ein Interview gefunden haben! Ich freue mich sehr, ein Gespräch mit so einem berühmten – äääääääh –  Zeitgenossen führen zu können. Soviel ich weiß, sind Sie ja meist auf der Flucht „Tempus fugit“ oder wie sehen Sie das selbst?“

H.T.:  „Ach wissen Sie, Frau Suppenküche, ich mag ein guter Arzt, aber schlechter Kosmetiker sein.“

S: „Ah ja. Man sagt Ihnen ja nach, Sie seien Geld. Können Sie uns dazu mehr verraten?“

H.T.:  „Zinsspanne ist jene feine Differenz, die Bankiers zu allen Zeiten ein sorgenfreies Leben garantierte.“

S (nickt zustimmend): „In der vergangenen Nacht haben wir Sie ja wieder umgestellt. Wie kommen Sie ganz persönlich damit zurecht?“

H.T.:  „Alles ist sich gleich, ein jeder Teil repräsentiert das Ganze. Ich habe zuweilen mein ganzes Leben in einer Stunde gesehen.“

S: „Sehr tiefsinnig, Herr Tempus. Kommen wir doch einmal auf das unliebsame Thema der „Zeitdiebe“ zu sprechen.“

H.T. (etwas ungehalten): „Sie meinen die „Grauen Herren“? Da möchte ich Sie bitten, sich persönlich an Momo zu wenden. Ich spreche sehr ungern darüber.“

S: „Lieber Herr Tempus, ich danke Ihnen für diese aufschlussreichen Worte und wünsche Ihnen eine gute – ääääh – alles Gute für die Zukunft!“

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Frau Suppenküche in derselbigen

Während hier der Krokus blüht

Während hier der Krokus blüht
Ein fernes Land im Rauch verglüht

Die Uhr läuft ab
Die Zeit wird knapp

Was hat der Mensch sich angetan?
Der Gier, des Geldes Untertan

Von Gott kommt dieses Unheil nicht
Er schaut uns zu, auf lange Sicht

Der Mensch nur erntet, was er sät
Vielleicht ist es schon längst zu spät

Ich halt dich fest und tröste dich
Doch bitte, bitte halt auch mich

 

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