Sie ist weg

Wir lernten uns beim Reiki kennen. Legten einander die Hände auf, sprachen mit Steinen und channelten. Dann hatte ich ein privates Problem und fragte sie, ob wir uns nicht mal treffen wollten, da ich hoffte, eine Außenstehende könnte mir hierbei helfen. Die Unterhaltung floss zäh, Sympathie war latent vorhanden, doch gleichzeitig waren wir uns doch eher fremd.

Das war ca. 2006.

Danach machte sie die Bekanntschaft eines anderen „Heilers“, der mit Hilfe einer aus Kupferdraht geformten Rute Karma ablöste, sagte er jedenfalls. Wir nahmen an einigen „Seminaren“ teil. Seine bedingungslose Liebe endete unversehens, als sie geräuschvoll eine Packung Treets öffnete.  Am nächsten Tag sollten wir gesungene Töne von uns geben, die spontan aus unserem Inneren entstanden. Ein Teilnehmer fragte, ob er denn auch pfeifen könnte. Daraufhin fing er an Pfeiftöne zu produzieren – und ich konnte in diesem „heiligen“ Moment nur mit Mühe und Not einen Lachanfall unterdrücken.

Bald darauf beendeten wir unsere esoterische Laufbahn und begruben den Traum von einer Karriere als Geistheiler.

In den letzten Jahren hatten wir eine intensive Freundschaft, in der wir viel zusammen gelacht, geweint, gesungen, philosophiert, gegessen, Wein getrunken, Tatort gekuckt haben, spazierengegangen, radgefahren,  zusammen verreist, auf Konzerte gegangen sind etc. Wenn sie nicht da war, durfte ich ihre Wohnung als Ferienwohnung benutzen.

Jetzt gerade fährt sie mit ihrem gesamten Hab und Gut nach Hamburg. Ich wünsche ihr, dass sie dort das Glück findet, das sie in Bayern nie gefunden hat.

P.S. Ich hasse Abschiede.

Prost, Mahlzeit!

Dieser Artikel erspart mir viel Arbeit: Heuchler am Herd

Das Thema brannte mir nämlich schon seit längerem gewaltig unter den Nägeln! Unter meinen Entwürfen befindet sich z. B. schon seit Monaten ein Brief an Johann Lafer, den ich mal angefangen habe und hier posten wollte.

Prost, Mahlzeit!

Schwacher Schatten!?

„Was ich sagen will, ist, dass Dummsein nicht Ihr Problem ist“, sagte Otsuka mit ernstem Gesicht.

„Ach, wirklich?“

„Ihr Problem, meine ich wenigstens, besteht darin, dass … Ihr Schatten irgendwie schwach ist, oder? Das ist mir gleich aufgefallen, als ich Sie sah. Der Schatten, den Sie auf den Boden werfen, ist nur halb so dicht wie bei normalen Menschen.“

Ein Gespräch zwischen Nakata und Otsuka, einem Kater. Nakata hält sich für dumm, kann sich aber mit Katzen unterhalten.

aus: Kafka am Strand, Haruki Murakami

Hat jemand Leseerfahrung mit Murakami?

Hut ab vor Heiner!

Hat diese Woche (Di, 21.06.) jemand zufällig „Pelzig hält sich“ gesehen?

Hut ab vor Heiner Brand (Noch-Handball-Bundestrainer)! Ein wirklich sympathischer, Freundlichkeit ausstrahlender Mann mit Grips, der sich nicht für den Sport verkauft hat. Der Herr mit dem absolut unmodischen Riesenschnurrbart plauderte entspannt, wortgewandt und mit einem gewissen Schalk im Nacken mit Täschli-Erwin, den er größenmäßig um ca. 2 Meter überragte.

Solche Männer gehen halt nicht in die Politik und werden auch keine Funktionäre. Die wissen schon warum!

Die Geschichtenweberin

Sie war ein anmutiges Geschöpf mit einer besonderen Gabe. Sie webte Geschichten aus ihrem Herzen und bezauberte damit die Menschen.

Viele kamen zu ihr, ließen sich nieder und lauschten den Worten, die sie ihnen direkt ins Herz legte. Jede und jeder waren ein Stückchen verändert, wenn sie sie wieder verließen. Sie fühlten sich seltsam leicht und lächelten. Die Freude der Menschen war ihr Lohn.

Auch ein Prinz kam eines Tages zu der Geschichtenweberin, legte sich ihr zu Füßen und folgte gebannt ihren Worten. Doch das Seltsame war, dass die Geschichtenweberin von nun an jeden Tag ein bisschen trauriger wurde, und sie konnte es sich nicht erklären. Längst hatte sie sich in den schönen Prinzen verliebt, dessen Augen ihr bei jedem Wort gebannt folgten und der sie beim täglichen Abschied zärtlich anblickte.

Nach einiger Zeit erfuhr sie, dass der Prinz mit einer Prinzessin verheiratet war. Dieser erzählte er jeden Abend die Geschichte, die ihm die Geschichtenweberin an diesem Tag aus ihrem Herzen gewoben hatte.

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(Bild von mir in dreamlines erstellt)