Müde

Ich bin der Stille müde und des Lärms.

Ich bin des Schweigens müde und des Redens.

Ich bin des Weinens müde und des Lachens.

Ich bin des Verzeihens müde und des Verurteilens.

Ich bin des Gebens müde und des Nehmens.

Ich bin des Versteckens müde und des Michzeigens.

Ich bin der Menschen müde und des Alleinseins.

Ich bin des Tuns müde und des Nichtstuns.

Ich bin des Festhaltens müde und des Loslassens.

Ich bin es müde zu lieben und zu hassen.

Ich bin es müde zu warten und irgendetwas zu wünschen, wollen, erwarten, ersehnen oder zu verlangen.

Nur des Lebens bin ich nicht müde.

~ * ~

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Monotone Monologe

Dies ist die Zeit, in der der Karren im Dreck feststeckt. Im Januar gab es nicht mehr Glück als im Dezember. Nur mit Mühe fange ich meine eigene Laune immer wieder auf. Jeden Tag zum wiederholten Male. „Tu dir was Gutes, trink einen Tee, das wärmt, auf Tiefs folgen auch wieder Hochs, blablabla“ führe ich monotone Monologe. Dazwischen lache ich mit anderen. Auch Herzensdialoge,  die mir das Wichtigste sind, gelingen nicht so richtig.

Anderen geht es ähnlich, das Wetter zerrt an den Nerven, das Windiggrauenass mit nackten Ästen auf schmutzigbraunen Restwiesen trübt die eigene Sicht. Man soll im Moment leben, achtsam sein, Dinge finden, für die man dankbar ist, man soll sich nicht an negative Gedanken klammern, aber diese spirituellen Hilfen helfen nur kurz, wenn sich alles falsch anfühlt und alles feststeckt. Wenn man nichts tun kann, soll man alles Krampfhaft-Wollende loslassen, aber kann ich wirklich nichts tun?

Und der Teppich, unter den alles stillschweigend gekehrt wird, wird immer größer. Irgendwann klopfe ich ihn kräftig aus, setze ich mich darauf und fliege davon. Aber jetzt noch nicht. Wann ist endlich die richtige Zeit?

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Abrissbirne

Die Lebensmitte

wirft haufenweise fragende Fragen, die dauernd fragen, auf

kotzt dir in einem Schwall deine halbverdauten Innereien vor die Füße

tischt dir auf geschmacklosen rosenverzierten Tellern deine eigenen Lügen auf

küsst dich hinterhältig auf die Wange und schubst dich dann mit einem Lächeln in den Abgrund

füllt dein Gehirn mit blubbernden zersetzenden Blasen

bringt mit ihrer Abrissbirne dein gesamtes Zuhause zum Einsturz

und kaut an deinen Nägeln, bis deine Finger blutig sind

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P.S. Keine Sorge, ich bin nicht depressiv, ich trag’s mit Fassung ;-). Ich hätte auch passenderweise „Bring den Vorschlaghammer mit“ von Element of Crime posten können, das wäre etwas heiterer gewesen, aber das hatten wir ja schon.

Da hat er den Salat!

Wer mit seinem Latein am Ende ist,

kommt auch auf keinen grünen Zweig,

Er sitzt metertief in der Tinte,

weil er Äpfel mit Birnen vergleicht

und nur noch Bahnhof versteht.

Da hat er ein Brett vor dem Kopf und

sollte lieber eine Eselsbrücke bauen,

bevor das Ende der Fahnenstange erreicht ist!

Jetzt muss er eine Kröte schlucken.

Da hat er den Salat!

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Alles wird gut :-)

Für alle, denen es gut geht und für alle, denen es heute nicht gut geht (und es kommt mir so vor, als wären das heute sehr viele).

Es kommen auch wieder andere Tage und Nächte…

herzlichst die Suppenköchin

(Wer möchte, bekommt in der virtuellen Suppenküche einen Teller Tomatensuppe dazu, die ist rot und erdet und macht wieder etwas fröhlicher… ich ess auch einen Teller mit 😉 )

Ich höre die Vögel pfeifen

Freiheit bedeutet heute ganz bewusst für mich

nur für mich allein Tee zu kochen

zu essen, wenn ich Hunger habe und worauf ich Lust habe

vormittag ungestört ein Bad zu nehmen, bei dem niemand hereingestürmt kommt

keine Pläne zu machen und einfach in den Tag hineinzuleben

mich in einer „fremden“ Wohnung ganz zu Hause zu fühlen

Ich brauche keine Kaffeemaschine, keinen Geschirrspüler, keinen Toaster.

Noch nicht einmal den Garten vermisse ich. Wenn ich frische Luft brauche, gehe ich auf den Balkon und schaue auf die Straße oder in den Himmel.

In 5 Minuten bin ich zu Fuß im Stadtpark, in 10 Minuten am Donauufer oder in der Altstadt.

Aber ich möchte einfach nur meine Ruhe.

Ich höre die Vögel pfeifen.

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