Zwei Paare

Da ist das eine Paar, das seit vier Jahren zusammen ist. Vorletztes Jahr haben sie geheiratet, tolle Feier, teures Fotografen-Fotoalbum. Er sagt ihr jeden Tag, dass er sie liebt und gibt ihr einen Gutenachtkuss. Mehr Nähe gibt es nicht mehr, die war nur am Anfang. Irgendwann fand sie zufällig heraus, dass er hinter ihrem Rücken mit Frauen chattete, er hatte sich ein zweites Handy besorgt, mit dem er den Kontakt pflegte. Als seine Frau dahinterkam, tat es ihm leid, er gelobte Besserung. Danach war alles wieder gut…

Da ist das andere Paar. Beide Partner geschieden. Er kinderlos, sie hat zwei Kinder im Teenageralter. Sie gehen sehr liebevoll miteinander um, auch die Kinder haben den neuen Partner ihrer Mutter ins Herz geschlossen und vertrauen ihm. Zusammen sind sie seit 3 Jahren, aber sie haben noch nie miteinander geschlafen. Er sagt, er mache sich nichts aus Sex…

Sie ist weg

Wir lernten uns beim Reiki kennen. Legten einander die Hände auf, sprachen mit Steinen und channelten. Dann hatte ich ein privates Problem und fragte sie, ob wir uns nicht mal treffen wollten, da ich hoffte, eine Außenstehende könnte mir hierbei helfen. Die Unterhaltung floss zäh, Sympathie war latent vorhanden, doch gleichzeitig waren wir uns doch eher fremd.

Das war ca. 2006.

Danach machte sie die Bekanntschaft eines anderen „Heilers“, der mit Hilfe einer aus Kupferdraht geformten Rute Karma ablöste, sagte er jedenfalls. Wir nahmen an einigen „Seminaren“ teil. Seine bedingungslose Liebe endete unversehens, als sie geräuschvoll eine Packung Treets öffnete.  Am nächsten Tag sollten wir gesungene Töne von uns geben, die spontan aus unserem Inneren entstanden. Ein Teilnehmer fragte, ob er denn auch pfeifen könnte. Daraufhin fing er an Pfeiftöne zu produzieren – und ich konnte in diesem „heiligen“ Moment nur mit Mühe und Not einen Lachanfall unterdrücken.

Bald darauf beendeten wir unsere esoterische Laufbahn und begruben den Traum von einer Karriere als Geistheiler.

In den letzten Jahren hatten wir eine intensive Freundschaft, in der wir viel zusammen gelacht, geweint, gesungen, philosophiert, gegessen, Wein getrunken, Tatort gekuckt haben, spazierengegangen, radgefahren,  zusammen verreist, auf Konzerte gegangen sind etc. Wenn sie nicht da war, durfte ich ihre Wohnung als Ferienwohnung benutzen.

Jetzt gerade fährt sie mit ihrem gesamten Hab und Gut nach Hamburg. Ich wünsche ihr, dass sie dort das Glück findet, das sie in Bayern nie gefunden hat.

P.S. Ich hasse Abschiede.

Willst Du mit mir gehen?

In meiner Jugend sagte man das noch so. Da wurde verschwörerisch getuschelt: „Die gehen jetzt miteinander.“

Diese Form der Verbindung endete entweder noch am gleichen Nachmittag oder spätestens nach ein paar Wochen.

Sagt man das heute eigentlich noch?

Eine schöne Bezeichnung für eine Liebesbeziehung, wie ich finde. Zusammen gehen, nebeneinander, manchmal trennen sich die Wege, man trifft wieder aufeinander, manchmal geht einer voraus, manchmal stützt der eine den anderen beim Gehen, dazwischen ruht man aus und geht wieder ein Stückchen zusammen weiter…

Es wäre doch viel sinnvoller, einem anderen Menschen nicht das Versprechen „abzuringen“, dass er sich verpflichtet, den ganzen Weg mit einem zu gehen, sondern aus freien Stücken den Weg mit einem gehen will, wie weit auch immer…