Die Zwergenmütze

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(Mischtechnik/Teebeutelkunst)

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Der Zwerg verlor seine Mütze.

Sie verfing sich

im Dornengestrüpp einer Hecke

und wuchs zwergenlos

in den Himmel.

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Als der Zwerg auf seinem Weg

die linke Socke eines Riesen fand

und sie als neue Mütze benutzen wollte,

stank sie so sehr,

dass er sie im Fluss wusch,

wo sie ihm ein großer Butt wegschnappte.

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Darüber wurde der Zwerg so zornig,

dass er sich selbst in der Mitte auseinanderriss.

Vielleicht war es auch nur ein böser Traum.

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Papierboote

Papierboote falte ich eins nach dem anderen und setze sie vorsichtig in den Raschelbach. Wie im Entenmarsch. Habe ich eine Schicht vergessen? Viele Schichten übereinander ergeben ein Ganzes. Die Linie fehlt! Hast du sie? Hinter der Krümmung krümelt der Hase. Nachtkerzendickicht auf der Weide. Schemen und Schatten, sie lachen. Fratzen verschlingen neugeborene Hasen und spucken sie auf der anderen Seite wieder aus. Milchgesichter, aber nur verschwommen. Hasenpicken. Hört auf, rufe ich. Es ist ganz leicht. Sie lassen ab und grölen. Schicht um Schicht, Schleier um Schleier, was ist dahinter? Ganz hinten. Ich krame herum und zähle die Schiffchen nach. Meine Füße rascheln im Bach und lösen sich Schicht um Schicht auf. Die Linie bin ich. Uff!

~ * ~

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Mein Bananenhut

… und weil es einfach Freude macht, hier mein Beitrag zu Schreibfluss 3 bei „Alles ist gut“:

Ich setze den Bananenhut auf, den ich auf dem Elfen-Flohmarkt beim Eichenwald geklaut habe. Er passt wie angegossen, geht aber nicht mehr ab. Die Bananen haben angefangen zu wachsen, es ist eine Staude geworden, die auf meinem Kopf immer neue Blätter bekommt. Ich habe jetzt immer genug Schatten im Sommer. Am Tag gieße ich die Staude mit Eichenwaldwasser, in der Nacht leuchtet sie wie ein Leuchtturm. Wenn der Wind geht, rascheln die Blätter und mein Kopf schwankt ein bisschen. Wenn die Staude noch größer wird, wird mir hoffentlich nicht schlecht. Der Liebe tut das keinen Abbruch. Mein Liebster reibt die Blätter mit einem weichen Tuch ab und erntet die Bananen. Seit ich den Bananenhut habe, bin ich nicht mehr so blass.

Möcht wieder Wiesenfüße

Möcht wieder

Wiesenfüße haben

Sonnenblinzelaugen

Sandbohrzehen

Salzundsandsonnencremeschultern

lattemacchiatoeisverschmierte Mundwinkel

Grillduftschnuppernase

Bienensummvibrierohren

Blumenpflückfinger

Erdbeersaftkinn

Wolkenreckgiraffenhals

halbschattengewärmten Bauch

verschwitzte Händchenhalthände

und tausendfach geherzten Kussmund

~ * ~

Früher war mehr Sommer

Früher war alles besser, auch der Sommer. In der guten alten Zeit waren die weisen alten faltigen Sommerweiblein für den Sommer zuständig, heute sind es die ‚Cosmic Summer Glow Girls“. Muss man sich da noch wundern…?

(‚Cosmic Summer Glow Girl‘ Bild: Suppenküche)