Mein Bananenhut

… und weil es einfach Freude macht, hier mein Beitrag zu Schreibfluss 3 bei „Alles ist gut“:

Ich setze den Bananenhut auf, den ich auf dem Elfen-Flohmarkt beim Eichenwald geklaut habe. Er passt wie angegossen, geht aber nicht mehr ab. Die Bananen haben angefangen zu wachsen, es ist eine Staude geworden, die auf meinem Kopf immer neue Blätter bekommt. Ich habe jetzt immer genug Schatten im Sommer. Am Tag gieße ich die Staude mit Eichenwaldwasser, in der Nacht leuchtet sie wie ein Leuchtturm. Wenn der Wind geht, rascheln die Blätter und mein Kopf schwankt ein bisschen. Wenn die Staude noch größer wird, wird mir hoffentlich nicht schlecht. Der Liebe tut das keinen Abbruch. Mein Liebster reibt die Blätter mit einem weichen Tuch ab und erntet die Bananen. Seit ich den Bananenhut habe, bin ich nicht mehr so blass.

Der müde Baum

Er war es müde, immer an derselben Stelle zu stehen. Die Kraft, die sich jeden Herbst aus seinen Adern zurückzog, kam immer zögerlicher im Frühjahr zurück. Das Vogelpaar wartete wie jedes Jahr darauf, dass er ihnen mehr Behaglichkeit schenkte, und sie damit beginnen konnten, sich wieder einzurichten. Etwas schicker und moderner als die letzten Jahre sollte ihr Nest werden. „Auch das noch“, dachte er, „dafür bin ich nicht mehr der Richtige. Das müssen sie doch gemerkt haben.“

Schon viele Vogeljunge hatte er schlüpfen sehen. Nimmermüde und nimmersatt riefen sie nach ihren Eltern. Doch er hatte nicht mehr die Kraft für ihr Geschrei.

„Am besten wäre es, wenn ich erst gar nicht mehr austreibe“, murmelte er müde. Nur die Amsel hörte seine Worte und streichelte ein wenig mit ihrem Schnabel über den knorrigen Ast, auf dem sie saß. Dann flog sie davon.

Die Sache mit Valentin

Heut‘ ehren wir den Valentin

doch gibt’s noch andere Männer

und das nicht nur im Februar

nein, durchaus schon im Jänner

.

Ob Benedikt, ob Nikolaus

Frau denkt und meint, sie kennt sich aus

darunter mancher Penner

.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

ob sich nicht doch was Besseres findet

~ * ~

Möcht wieder Wiesenfüße

Möcht wieder

Wiesenfüße haben

Sonnenblinzelaugen

Sandbohrzehen

Salzundsandsonnencremeschultern

lattemacchiatoeisverschmierte Mundwinkel

Grillduftschnuppernase

Bienensummvibrierohren

Blumenpflückfinger

Erdbeersaftkinn

Wolkenreckgiraffenhals

halbschattengewärmten Bauch

verschwitzte Händchenhalthände

und tausendfach geherzten Kussmund

~ * ~

Ich schenke dir eine Sprosse und klebe sie auf deine Wange

Der Artikel bei Frau Blau hat mir Lust & Laune auf ein paar Zeilen „automatisches Schreiben“ gemacht…:

Der Schneedampfer pflügte durchs Rote Meer. Zehn Matrosen im Ausguck, aber kein Land in Sicht. Nur einer davon hatte Sommersprossen und Pausbacken, die anderen Skorbut. Er konnte Liebesbriefe schreiben und Strichmännchen malen. Die letzte Ente, die sie verspeisen wollten, war davongeflogen, nach Bommerland. Doch Bommerland ist abgebrannt. Die Maikäferration ging auch allmählich zur Neige. Rumkugeln waren noch da, jede Menge. Rumkugeln passen auch in ihre Gewehrläufe. Kaninchen gibt es nicht auf hoher See, wozu Rumkugeln in Gewehrläufe füllen? Oh, du mein Captain. Der Kapitän kann mit voller Wampe übers Wasser gehen, wenn er ordentlich getankt hat. Öltankerhavarien sind der Schneedampfer Tod. Sommersprossen verheißen Glück. Ich schenke dir eine Sprosse und klebe sie auf deine Wange.