Ich sitze in einem Boot

Ich sitze in einem Boot, das mich trägt.
Das Boot folgt der Strömung, die niemals still steht.
Ich beobachte den Fluss, spüre Sonne, Regen und den Wind.
Das Gestern ist nicht mehr da, genauso wie das Morgen hinter einer Flussbiegung verborgen ist.
Ich kann nichts auf meiner Fahrt mitnehmen und habe doch immer alles, was ich brauche.

Ob die Menschen um mich herum sich „richtig“ oder „falsch“ verhalten oder verhalten haben, ändert nichts an mir und meinem Boot.
Ob ich das „Richtige“ oder „Falsche“ tue oder getan habe, ändert nichts an mir und meinem Boot.

Ich fließe mit dem Fluss, weil es meine Natur ist, eine andere gibt es nicht.
Ich kann die Fahrt weder beschleunigen noch anhalten.

Will ich die Führung eines anderen Bootes übernehmen oder den Menschen über seinen Kurs belehren, handle ich gegen die Natur, trenne mich also von meinem eigenen Boot, und spüre Schmerz.
Fange ich an, meine Fahrt oder die eines anderen Bootes  zu bewerten, spüre ich Schmerz.
Vergleiche ich mein Boot mit anderen, spüre ich Schmerz.
Je mehr ich diesen Gedanken Glauben schenke, desto tiefer wird mein Schmerz.
Ich kann, darf und muss alles und jeden in jedem Moment loslassen. Sträube ich mich dagegen, spüre ich Schmerz.

Die größte Entdeckung in meinem Leben ist, dass es keine Begrenzung gibt. Denn ich bin das Boot genauso wie der Fluss, das Ufer und die anderen Boote.

~ * ~

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10 Kommentare zu “Ich sitze in einem Boot

  1. Genau so ist es. Mir kam sogliech das Buch „Siddharta“ von Hermann Hesse in den Sinn, in dem auch das Sinnbild des Bootes gebraucht wird, um den Fluss des Lebens zu versinnbilden. Dort heißt es auch sinngemäß: „Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben. Sonst kommst du vor Suchen nicht zum Finden.“ Das hatte ich mir gemerkt.
    LG von Rosie

  2. „Die größte Entdeckung in meinem Leben ist, dass es keine Begrenzung gibt. Denn ich bin das Boot genauso wie der Fluss, das Ufer und die anderen Boote.“ – was für eine wunderbare Entdeckung… das muss mensch „gespürt“ haben, nur im Kopf geht das nicht!
    nur manchmal verliere ich es und dann ist es gut erinnert zu werden! Das hast du gerade getan – danke dafür und liebe Grüße von Frau Blau

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