Müde

Ich bin der Stille müde und des Lärms.

Ich bin des Schweigens müde und des Redens.

Ich bin des Weinens müde und des Lachens.

Ich bin des Verzeihens müde und des Verurteilens.

Ich bin des Gebens müde und des Nehmens.

Ich bin des Versteckens müde und des Michzeigens.

Ich bin der Menschen müde und des Alleinseins.

Ich bin des Tuns müde und des Nichtstuns.

Ich bin des Festhaltens müde und des Loslassens.

Ich bin es müde zu lieben und zu hassen.

Ich bin es müde zu warten und irgendetwas zu wünschen, wollen, erwarten, ersehnen oder zu verlangen.

Nur des Lebens bin ich nicht müde.

~ * ~

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19 Kommentare zu “Müde

  1. Hab was für dich, das ich selbst mal erlebt habe und es fühlte sich sehr gut an: Stell dir einen Raum vor, nur von winzigen Lichtern erhellt, ruhig, sicher, in gewisser Weise innerlich feierlich und irgendwo steht einer, der trägt vor:

    Das Zeit-Gedicht des Kohelet (3,1-8)

    Alles hat seine Zeit,
    alles Geschehen unter dem Himmel hat seine Stunde:
    Gebären hat seine Zeit und sterben seine Zeit,
    pflanzen hat seine Zeit und die Pflanzen ausreißen seine Zeit,
    töten hat seine Zeit und heilen seine Zeit,
    abbrechen hat seine Zeit und aufbauen seine Zeit,
    weinen hat seine Zeit und lachen seine Zeit,
    klagen hat seine Zeit und tanzen seine Zeit;
    Steine werfen hat seine Zeit und Steine sammeln seine Zeit,
    umarmen hat seine Zeit und die Umarmung lösen seine Zeit,
    suchen hat seine Zeit und verlieren seine Zeit,
    behalten hat seine Zeit und wegwerfen seine Zeit,
    zerreißen hat seine Zeit und vernähen seine Zeit,
    schweigen hat seine Zeit und reden seine Zeit,
    lieben hat seine Zeit und hassen seine Zeit,
    Krieg hat seine Zeit und Friede hat seine Zeit.

    (Das Zitat hab ich hier wiedergefunden: http://kirchensite.de/index.php?myELEMENT=62240)

      • Impasse nach Perls. Das Gefühl, dass du dich in einer Sackgasse befindest, löst sich, wenn du nicht zurück gehst, keine Ablenkung versuchst, sondern die Situation aushältst, bis du sie lösen kannst in Trauer, Wut, Tränen, Erinnerungen, Bewältigung von Altem, bisher mitgetragenen Dingen bis ein neuer Weg vor dir entsteht. So vielleicht?

  2. Da jeder diesen Zustand kennt,kann man sich leicht in Deine Zeilen einfühlen.
    Als wärst Du am Nullpunkt angekommen.
    Weglaufen geht nicht.
    Den Blickpunkt ändern? Vielleicht ist manches doch nicht so ganz ermüdend, wie es scheint?

    • Vielen Dank für den Kommentar.
      Es freut mich, wenn man sich in meine Zeilen einfühlen kann.
      Gelegentlich braucht man eine Weile, bis man den Blickpunkt wieder ändern kann, aber eine Änderung der Sichtweise ist natürlich immer möglich und hilfreich.

  3. Wo wir schon beim Thema Leben sind. Was ist eigentlich Leben? Gibt es das Gegenteil davon?
    Egal um welche Phase des LEBENS es sich handelt, es ist immer das Leben. Man kann natürlich auch im riesigen Ozean des Lebens existieren und nicht leben, aber nichts ändert an der Tatsache, dass man dennoch am Leben teilnimmt, auch wenn man nur die gleiche Luft mit seiner Umgebung teilt. Ist es die Frage der persönlichen Ansicht? Und wer will schon behaupten, dass (Un) Leben im Jenseits zu kennen? Auf zum nächsten großen Abenteuer…ein neuer Tag beginnt, genau dort, wo der vorhergehende aufhört…
    Solange man liebt, ergibt das Leben einen Sinn. Auch wenn die Liebe nur dem eigenen Spiegelbild schmeichelt…

  4. ich hab irgendwann vor ewigkeiten auch mal einen ähnlichen text geschrieben über die müdigkeit des wartens, leider finde ich ihn nicht mehr. ich kann das auch irgendwo nachvollziehen. ich drück dir die daumen, dass die müdigkeit bald ein ende findet!

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