Rabimmelrabammelrabumm – Ein Rückblick

Kinder, was bin ich froh, auf keine Martinsumzüge mehr gehen zu müssen!

Man kann/konnte ja nicht früh genug damit anfangen, schon die Kleinsten mit zum Umzug zu schleppen. Auch ein Baby mit ein paar Monaten muss unbedingt dabei sein, es könnte sonst etwas verpassen.

Als noch recht unbedarfte Mutter bin ich mit meinem Erstgeborenen in der Krabbelgruppe zum allerersten Mal mitgegangen. Das war allgemein so, man machte mich glauben, das gehöre zum Guten-Mutter-Sein dazu. Schon damals wollte bei meinem Sohn der Martinsfunke nicht recht überspringen. Auch in den darauffolgenden Jahren konnte er sich für die Martin-Romantik nicht erwärmen. Inzwischen war der Junge größer und Kindergarten- bzw. Vorschulkind. Die Laterne (mit Ersatzbatterien) habe immer ich getragen, auch das fröhliche Singen überließ er mir. Das Basteln jedoch blieb ihm nicht erspart.

Am Tag des Umzugs versammelte man also die Kinder in Strumpfhosen, Skianzüge, Mützen und allem, was sonst noch dazugehört, dick eingemummt im Vorraum des Kindergartens, wo einem nach spätestens 5 Minuten der Schweiß vom Rücken bis in die Kniekehlen lief.

Dann konnte es endlich losgehen! Der Legende des Heiligen Martin wurde wieder Leben eingehaucht.

Ich zog ein grell-orangefarbenes ärmelloses Jäckchen als „Ordner“ an, um die lieben Kleinen im Dunkeln über Stock und Stein zu geleiten. Einmal wurde ich besonders geadelt, indem ich die Noten für die Trompeterin tragen durfte, und führte so den Zug mit an. Ich kochte Tee oder Kinderpunsch für das gesellige Beisammensein hinterher und auch Martinsgänse durfte ich backen.

Gerne wird bei solchen Gelegenheiten auch Stockbrot (auch hierfür durfte ich verschiedenste Teigvarianten produzieren) gereicht, das romantisch über offenem Feuer geröstet wird. Schmecken tut es jedoch nur selten. „Mama, nimmst du mal“, sagt das Kind, stolpert über abgestellte Laternen und verliert irgendwo im Dunkel seine Handschuhe.

Auch mein jüngerer Sohn war kein Martin-Fan. Ich glaube, er hat anfangs dabei auch noch geweint. Vielleicht ahnte er da schon, dass seine spätere Freundschaft zu seinem Grundschulklassenkameraden Martin B. kein gutes Ende nehmen würde. Wir wissen es nicht.

„Das Licht ist aus, wir gehen nach Haus, rabimmelrabammelrabumm.“

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22 Kommentare zu “Rabimmelrabammelrabumm – Ein Rückblick

  1. Gerade gestern meinte die inzwischen 16jährige Tochter meiner Freundin, sie habe diese Umzüge immer doof gefunden. Worauf meine Freundin meinte: „Was? Warum hast du mir das denn damals nicht gesagt, ich fand die auch immer fürchterlich! Da hätten wir ja schwänzen können!“ ; )

    • Liebe Elvira, wir hatten vor Jahren Mal eine echte Kerze in der Laterne und wurden sofort zurechtgewiesen von anderen Müttern, dass dies doch viel zu gefährlich sei. Bei unserem Umzug am Mittwoch hatte ein Klassenkamerad von Herrn P. auch eine echte Kerze und prompt, das gleiche Spiel.
      S’ist ein Wunder, dass wir unsere Martinsumzüge früher überlebt haben 😉

  2. Das mit dem Holzbrot kannte ich noch nicht. Allerdings gab es in Norddeutschland ohnehin keine Martinszüge, sondern nur das „Laterne laufen“ mit Umzug (jedenfalls soweit ich mich erinnern kann).

  3. Als Kind fand ich es beeindruckend. Die Paukenschläge machten Kringel im Bauch, die Bläser gaben, was sie konnten. Ein großer Kerl auf einem wunderschönen echten Pferd, für mich als Asthma-Kind, das nie Kontakt zu Pferden haben durfte, eine echte Attraktion. Wenn der Martin dann vom Pferd stieg, in ein Feld ging und dem Bettler den Mantel überstreifte, war das eine spannende Geschichte, auch, wenn wir den Bettler und den Martin natürlich aus der Nachbarschaft kannten. In den Laternen brannten Kerzen, jedenfalls für ein paar Minuten, bis der Wind kam. Die teilweise sehr traurigen Melodien der St.-Martin-Lieder konnten schon damals bei mir für eine Gänsehaut sorgen. Diese Mischung aus Gänsen und Kringeln hatte ich bei einem Krippenspiel nie.

    • Das klingt ja wirklich nach einem tollen Umzug, bei uns gab’s nur Laternen und Gesang, ich fand’s schön mit den flackernden Lampions durch’s Dunkle zu laufen, aber mit Pferden und Schauspiel war das sicher deutlich eindrucksvoller : )

    • Jeder erlebt es anders. Deine Erfahrungen hören sich durchweg positiv und sehr beeindruckend an. An meine eigenen Umzüge als Kind kann ich mich überhaupt nicht erinnern.
      Ich kann nur sagen, dass meinen Kindern die Umzüge (leider) keinen Spaß gemacht haben – und mir hat daran auch nicht besonders viel gefallen.

  4. mit erfrorenen Füßen lese ich dein Posting, mein Sohn wollte unbedingt zum Martinsumzug. Schön ist das die Klassen immer auf einen Hunde-kack-wiese ziehen. Dieses Jahr hatte ich Glück.-) und blieb verschont. Gesungen wurde wenig, irgendwie hatter keiner Lust, liegt aber wohl auch am Ritual, was seit 20 – 30 Jahren so läuft.
    Aber schön wars doch….

  5. Meinen allerersten Martinsumzug verbinde ich mit der Erinnerung, dass meine Laterne, noch bevor es damals richtig losging, schon Feuer gefangen hatte und lichterloh in Flammen aufgegangen war. Die Laternen meiner Kinder haben zum Glück alle überlebt..:-)

  6. Mensch, und ich war heute das aller erste mal bei einem Martinsumzug, mein kleiner Sonnenschein auch. Wir hatten Zeit und waren neugierig. Sie hat geschlafen, ich habe gesungen, eine Runde um die Kirche und dann nach hause verdrückt 😉

  7. Was man so alles tut, aus einem Gute-Mutter-sein-wollen-Gefühl heraus, besonders, wenn die Kinder noch klein sind. Inzwischen komme ich ganz gut klar, zuweilen auch mal die Bad-Mother zu geben. Stockbrot ist für mich ein Reizwort. Geschmacklich ein Grauen und anschließend – bei zwei Kindern – eine ganze Maschine Wäsche, weil alles stinkt: vom Anorak bis zur Unterhose. Andrea, schade, dass ihr nicht in der Nähe wohnt, ich kann’s nur immer wieder feststellen.

    • Weißt Du, ich bin froh, dass Du ganz offen schreibst, dass auch Du mit derlei Veranstaltungen Deine liebe Not hattest. Muttersein ist eben nicht die heile Welt, Familie schon gar nicht. So ist das. Punkt.
      Moment, ich glaub, meine Wäsche ist fertig… 😉

  8. Herr P. hatte dieses Jahr auch keine rechte Lust auf den Umzug, was wohl daran lag, dass er langsam aber sicher dem Grundschulalter entwächst und dass seine Klasse letztes Jahr an einer Stelle im Zug war, wo sie weder die Musik hörte noch das Pferd sah. Dieses Jahr hatten sie mehr Glück. Das Klingeln und Singen hinterher in der Nachbarschaft dagegen fand er toll – kein Wunder, hat er doch jede Menge Süßigkeiten eingesackt.

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