Internet-Schnecke

Meine Internet-Verbindung ist seit etlichen Tagen so:

(Zeichnung: Suppenküche)

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Bayerisches Senryu

Wennst mogst, wega mia

Werst na scho wissen warum

Aba i mog ned

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(Übersetzung: Wenn du willst, meinetwegen – du wirst schon wissen, warum – aber ich mag nicht)

Das Senryu drückt in bayerischer Mundart eine eher missbilligende jedoch um Toleranz bemühte Haltung aus, die auch im Tonfall ihren besonderen Ausdruck findet.  Mimisch passen dazu auch sehr gut hochgezogene Augenbrauen.

~ * ~

(Bild: ein Nicht-Bayer mit hochgezogenen Augenbrauen)

Verknöpft

Saatkrähenhafte blondzüngige Knöpfe tuscheln am Rand des Abgrunds, verknöpft und zerteilt betrachten sie aus Anstand das Wohl des Perlenviehs. Gestern noch erfand die alte Margret kleinlaut wiehernd kalte Rosen, die auf niemanden warten. „Zu spät“, raunte der Nasenbär. Schließlich nahmen sie die Verfolgung auf, erspähten, rochen die blutige Fährte, die zum Bahnhof führte. Nebelleicht verschwand das Elend im Abfluss, vorsichtig, damit es die Rinne nicht mitverstopfte. Keckernd schemt haftig das Wahre, schämt sich nicht. Wenn vielleicht morgen das Morgen kommt, wo bleibt das Gestern heute? Dann knieten sie sich hin, vergruben die Stirn im Dreck und hielten so mehrere Autos auf, die sie an der Durchfahrt hinderten.

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Entstanden in der Suppenküche nach Inspiration durch die Mützenfalterin bzw. ihr automatisches Schreiben.

Die Schlichte

Zu meinem Dreißigsten habe ich sie mir von meinen Eltern gewünscht und bekommen. Es ist die Teuerste, die ich besitze. Mein Dreißigster ist – nun ja – schon ein paar Jährchen her. Zwischendurch verschwand sie immer wieder mal im Schrank.

Diesen Sommer hatte ich übrigens eine Knallrote. Doch vorgestern habe ich sie von ihrem Schrankdasein erlöst, wieder hervorgeholt und eingeräumt. Vielleicht werde ich das Leder etwas pflegen, sie würde sich bestimmt darüber freuen. Das Braun und die Form der Tasche sind jedenfalls zeitlos, finde ich, und mir gefällt sie noch immer.

Und weniger ist ja doch immer noch mehr.

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(Foto: Suppenküche in derselbigen)

Schützenkomplimente und Hundertjähriger Schlaf

„Mit seinen Komplimenten tritt der Schütze Mitmenschen oft auf die Füße. Der Schütze ist aber nicht boshaft – nur eben erschreckend offen.“

„Doch dort, wo ein Schütze ist, ist ein Fettnäpfchen nicht weit, denn taktlose Bemerkungen sind in der Tat seine Stärke. Durch seine offene und direkte Art stößt er andere Leute unabsichtlich vor den Kopf. Im Grunde meint er es gar nicht so, er sagt einfach, was ihm in den Sinn kommt. „

… so steht es zwei Schützencharakterisierungen.

Ich bin das beste lebende Beispiel dafür. Gestern wollte ich meinem Gegenüber ein sehr ernst gemeintes Kompliment zu einer durchaus problematischen Thematik machen. Nicht nur, dass ich die andere Person zunächst in Angst und Schrecken versetzte, und diese erstmal mehrmals wiederkäuen musste, bevor sie das Kompliment als solches erkennen konnte, nein (!), danach wurde mir selbst erst die Ungeheuerlichkeit bewusst, mit der ich mir ein Eigentor geschossen hatte!

Dieses Eigentor ist so schmerzhaft, dass ich eine schwere Gehirnerschütterung habe und mich vermutlich nur in einem hundertjährigen Schlaf davon erholen kann.

Gute Nacht.

(Quelle: http://www.kostuemverleih.com)

Ohne Schale

Also ich mach‘ die Schale immer ab, auch wenn man sie dranlassen könnte.

(Foto Hokkaidokürbis: Suppenküche)

Bei Kürbissuppe scheiden sich ja die Geister, aber mich be’geist’ert allein schon die intensive Farbe, vor allem um diese Jahreszeit. Ganz wichtig: Ingwer, damit sie auch richtig von innen wärmt!