Japanische Nudelsuppe

Die Suppenköchin nimmt momentan eine Auszeit von ihrer Familie. Sie darf in der Wohnung einer lieben Herzensfreundin wohnen, die im Moment verreist ist. Die Suppenköchin weiß nämlich nicht, ob es noch Sinn macht, eine Ehe aufrecht zu erhalten, die längst keine mehr ist.

Sie ist 42. Ihre Söhne werden demnächst 13 und 9.

Sie ist seit 26 Jahren mit ihrem Mann zusammen, seit 14 Jahren verheiratet.

Sie haben ein Einkommen und sie hat keinen Plan, was sie beruflich machen soll. Seit fast 13 Jahren war sie nicht mehr in ihrem Beruf tätig. 2 Wochen musste sie nach Ende der Elternzeit in ihrer alten Firma arbeiten. Schon beim Betreten des Gebäudes wurde ihr schlecht und beim Anblick all der „wichtigen“ Anzugträger und Kolleginnen fühlte sie sich wie von einem anderen Stern. Vor ein paar Jahren war sie 6 Monate bei einer Familie putzen.

In diesen Tagen der Auszeit hat sie sich „Tampopo“ angesehen. Tampopo (Pusteblume) ist der Name der Besitzerin bzw. Köchin einer Suppenküche des gleichnamigen Films.
Auf der Suche nach dem perfekten Rezept bekommt sie Unterstützung von verschiedenen Helfern. Sie muss ihre Fitness, ihre Aufmerksamkeit und Konzentration schulen und verbessern, das gleiche Rezept immer wieder neu ausprobieren und umstellen und den Impuls kontrollieren, alles hinzuschmeißen. Sie lernt bei ihren männlichen Kollegen zu spionieren und gewinnt allmählich mehr Mut und Selbstvertrauen. Am Ende wird sie durch Anerkennung ihrer Helfer und auch der Kundschaft belohnt.

Spätestens morgen endet die Auszeit…

Excellent!

Hut ab (!), frisch gewaschene Haare mitgebracht – und los geht’s… in der Schönheitsblase!

Damit man das Hamsterrad nicht verlassen muss, geht man sich mal eben für 10 Minuten verschönern. Donnerwetter! Hauptsache, die Frisur hält hinterher!

Danach trinkt man – vite vite – noch einen Coffee to go.

Liebe Franzosen, das nenne ich echte Lebensart!? Ich stelle mir da gerade eine Catherine Deneuve oder einen Gérard Depardieu in der Beauty Bubble am Bahnhof vor…

P.S. Ich trinke meinen Kaffee gerne im Sitzen und genieße es, wenn mir die Haare geschnitten werden bzw. beim Friseur zu sein, wo ich mich wohlfühle. Das darf auch gerne länger als 10 Minuten dauern.

Färber-ei

Das hier ist ein winziger Ausschnitt:

Das ist mehr davon:

Das fehlen noch 10:

Höchstpersönlich von meinem Jüngsten und mir gefärbt 🙂

Ist eine Familientradition. Normalerweise färben wir immer bei meiner Mutter, aber die Glücklichen verreisen heute nacht nach Frankreich. Mir bleiben ja die Ostereier… 😉

Frohe Ostern
wünscht die Suppenköchin

Die Frau mit dem schlechtesten Timing der Welt

Man könnte es auf das Alter schieben, aber sie war schon immer so.

Zuerst plauderten wir ein bisschen im Garten. Sie waren mit dem Auto unterwegs gewesen. Wie sie immer wieder heil nach Hause kommen, grenzt fast an ein Wunder, denn auf dem einen Auge ist er fast blind. Und tatterig ist er geworden in den letzten Jahren. Ein gutaussehender, fröhlicher und herzlicher Mann ist er gewesen. Musiker. Hauptsächlich Gitarre, Klarinette und Saxophon. Andererseits auch immer in bisschen in seiner Welt. Was wirklich in ihm vorging, wusste man nicht, glaube ich.

Geheiratet haben sie erst, als meine Mutter sechs war. „Mama, wann heiraten wir endlich?“, hatte sie immer gefragt. Sie war das einzige Kind, dessen Eltern nicht verheiratet waren. Das bekam sie durchaus von den ehrbaren Bürgern, den katholischen Schwestern und besonders dem Pfarrer zu spüren. Inzwischen sind sie eine Ewigkeit verheiratet.

Wie gesagt, sie kamen von einer Fahrt zurück. Ich saß im Garten und wartete auf Handwerker. Der Maler sollte kommen und ein Bekannter mit Helfer, weil die Markise defekt ist. Sie setzte sich zu mir – und dann will sie immer erzählen. Gut, ich verstehe es, aber manchmal ist es auch extrem nervig. Hinterher ging sie nach oben in ihre Wohnung. Es dauerte noch ein Weilchen, bis die Handwerker da waren. Natürlich kamen sie dann alle zusammen, ich konnte aber schlecht gleichzeitig mit dem Maler im Schlafzimmer sprechen und am anderen Ende der Wohnung im Wintergarten sein.

Dann hörte ich sie rufen, laut und mit diesem quengeligen Unterton: „Andrea! Andrea, bist du da? Komm mal her, ich muss dir was zeigen.“ Ich war alarmiert und eilte zu ihr. „Jetzt hat sich sich wehgetan“, schoss es mir durch den Kopf. „Ich war doch heute im Keller. Schau her, zwei so gute ungetragene Schlafanzüge in Gr. 52 (die Schlafanzüge gehörten meinem Bruder, der vor 12 Jahren verstorben ist, Schiesser versteht sich) habe ich gefunden. Könnt ihr die nicht brauchen?“ (Selbst nach einer strengen Fastenkur würde mein Ehemann da vermutlich nicht reinpassen.)

Mein Blick wanderte zu den beiden Herren, die auf dem Wintergarten herumkletterten und ich dachte an Klaus, den Maler, der auf mich wartete.

Da hatte sie wieder zugeschlagen, die Frau mit dem schlechtesten Timing der Welt.

Ort des Geschehens